Zeitungsbericht: Gmünder Tagespost 25.06.2007

RADSPORT 24. Alb-Extrem-Radmarathon in Ottenbach -- 3500 Radler im Wetterglück - - RSF Bartholomä verteidigen den Mannschaftstitel

"Kurz vor dem Ziel könnte ich heulen"

VON BERN MÜLLER

Es war ein Glückstag für die 3500 Radler, die gestern beim Ottenbacher Radmarathon „Alb Extrem" an den Start gingen, denn das Wetter war so schön wie seit Tagen nicht mehr. Rund 700 000 Kilometer fuhren die Extremradler in der Summe, die Mannschaftswertung gewannen wieder einmal die Radsportfreunde Bartholomä.

Ottenbach, 5.20 Uhr, kurz vor dem Start: Tausende von Radfahrern sind dabei, sich in den beiden Startzonen aufzustellen. Anspannung ist da, und sie wird gern durch Lockerheit überspielt. „Mir kann gar nichts
passieren, ich hab ja einen fabelhaften Heckantrieb", sagt ein Tandemradler und deutet auf seine hinter ihm sitzende Partnerin. Manche derjenigen, die alleine radeln müssen, plagen jetzt Gewissensbisse, weil sie vielleicht doch zu wenig trainiert haben? Und die Neulinge, die sich zum ersten Mal auf eine so lange Strecke wagen, fragen sich, wie das
werden wird. „Ich bin bestimmt derjenige mit der schlechtesten Form hier", fürchtet Mathias Nann aus Iggingen. 700 Kilometer hat er dieses Jahr trainiert, die längste Trainingsrunde war 90 Kilometer. Und jetzt 190...

Eines der spannenden Dinge für die Starter beim Alb Extrem ist der Kontrast zwischen Anfang und Ende der 190 oder bis zu 280 Kilometer. Zwischen der Euphorie beim Startschuss um Punkt halb sechs, dem Erlebnis, wenn man die Sonne am Horizont auftauchen sieht, dem schwebenden Gefühl in der ersten Abfahrt und dem was kommt. Irgendwann. An den Punkt, ab dem die Euphorie der Quälerei gewichen ist, kommen fast alle. Und jeder woanders. Ute Bucher zum Beispiel, die 46-Jährige aus Geislingen. „Die giftigen Anstiege um Amstetten, da tut's mir weh", erzählt sie. Und trotzdem ist sie zum achten Mal ohne Unterbrechung dabei, „ich will einmal im Jahr an meine Grenzen gehen." Obwohl sie wenig trainiert, ist sie bisher immer angekommen. „Wir sind in der Gruppe unterwegs, und wir treffen uns nach der Zielankunft im Zelt, das motiviert ungemein." Zum Schluss schwindet sogar die Qual, und die
Euphorie kommt wieder. „In der letzten Abfahrt nach Ottenbach habe ich immer so ein Glücksgefühl, da könnte ich glatt Heulen", erzählt sie. Für Henry Wolter (48) aus Reichenbach, der gestern die 210er-Runde gefahren ist, ist der Totpunkt der Hexensattel westlich von Geislingen. „Da merkt man's in den Oberschenkeln." Und trotzdem ist auch er ein überzeugter Alb-Extrem-Fahrer, der wie viele andere die wieder einmal sehr gute Organisation lobt. Wolter: „Ich brauche das als Ziel, auf das ich hintrainieren kann."

Das hat Mathias Nann jetzt auch. Sein Bruder hat ihm prophezeit, er werde erstmal zwei Tage „Nie wieder" sagen, doch es kam ganz anders. Er saß elf Stunden im Sattel, fuhr so weit wie nie zuvor auf dem Rad, und sagt schon im Ziel überzeugt: „Es war eine klasse Erfahrung. Ich mach's im nächsten Jahr wieder -- dann mit mehr Trainingskilometern."

Der Statistik-Teil
Von 3500 Startern meldeten sich 3060 im Ziel zurück. 1506 Radler führen die 190 Kilometer, 1026 die 210er-Runde, 257 die 250 Kilometer und 264 Radfahrer die Langstrecke (280 Kilometer). Insgesamt legten die Radler gemeinsam um die 700 000 Kilometer zurück. Die medizinisch Bilanz fiel angesichts dieser Kilometerleistung relativ glimpflich aus. „Wir haben einen bestätigten und einen Verdacht auf Schlüsselbeinbruch", bilanzierte gestern Abend Thomas Wollny vom Ottenbacher Organisationsteam. Die Mannschaftwertung ging an die Titelverteidiger, die Radsportfreunde Bartholomä (96 Fahrer, 21 300 Kilometer), 2. Die Südschweden (68 Fahrer, 15140 Kilometer), 3. Rolling Bones (154 / 28480).

Gmünder Tagespost

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