Zeitungsbericht: Remszeitung 02.07.2007

Der Radmarathon des MRSC Ottenbach lockte wieder 3500 Teilnehmer an

Nur "Radler" oder "Weizen" als Doping

(gid) _ Viele interessierte Fans haben sich in den vergangenen Monaten eher enttäuscht vom Radsport abgewandt _ denn die Dopingsünden und Diskussionen schrien und stanken quasi zum Himmel. Der Radsport dennoch ein Sport für Jedermann? "Ja, solange der Sport vom Profilager nicht versaut und von anderen Interessen überlagert wird", wie Erich Krieg, der Vorsitzenden der Radsportfreunde in Bartholomä mit offenen Worten für den Freizeit-Radsport warb.

VON RALPH WILD

Jedenfalls waren die Radsport-Fans gestern Früh in Bartholomä bereits vor Neun auf den Beinen, und säumten den Straßenrand. Die ersten Fahrer wurden erwartet, die ab Ottenbach bereits in den frühen Morgenstunden (zwischen 5 und 6.30 Uhr) in die Pedale stiegen. Allein aus Bartholomä waren 96 Teilnehmer am Start. Die Zuschauer sorgten für wahren Trubel: es wurde geklatscht, aufgemuntert und angefeuert.

In Bartholomä, bei den Radsportfreunden, so scheint es, ist die Radler-Welt noch in Ordnung. Hier glaubt man noch an die Amateure, und deren Einsatz aus Liebe zum Sport, und der eigenen Grenzerfahrung in dieser Sportart. Nun klingt die Veranstaltung "Alb extrem" eben ganz nach (extremen) Leistungen, die für Otto-Normalverbraucher nicht machbar scheinen. Was aber, wenn auch hier ein paar Radfahrer "Mittelchen" zu sich nehmen würden? Erich Krieg, Verantwortlicher des Streckenabschnitts rund um Bartholomä und den ganzen Sonntag unterwegs zur Zielgeraden nach Ottenbach war, wo die Fahrer gegen 19 Uhr eintreffen sollten, schüttelte ungläubig den Kopf: "Daran glaube ich absolut nicht. Was hätten die denn davon? Der Alb-Extrem-Marathon ist ein Sport für Frauen und Männer wie Du und ich." Schließlich gehe es nur darum, von morgens (um halb Sechs war der Start in Ottenbach) bis abends durchzuhalten. Jeder auf seiner vorgegebenen Fahrt-Route zwischen 190 und 280 Kilometern. Jedes Teammitglied konnte Teilstrecken fahren. Die Fahrer lernen sich auf diesem Rad-Marathon selbst kennen. Ob man im Vorfeld richtig trainiert habe, ob man die Kraft richtig einzuteilen wisse, darauf käme es an, so Erich Krieg. "Vergessen wir nicht, dass die meisten ja einem Acht-Stunden-Job am Tag nachgehen, und dann noch trainieren . . ." Kurz: die Radsportfreunde setzen ganz klar auf das saubere Gewissen der einzelnen Teilnehmer. Letztendlich schade sich jeder nur selbst, wenn er sich "dopen" würde. Das war bei den Profis schon so, die nun alle Langzeitschäden haben oder bekommen".

Das Wetter spielte den ganzen Sonntag hervorragend mit, und Stürze oder andere schwere Vorkommnisse blieben "gottseidank aus". Und zweifelnde Eltern, die überlegen, ob ihre Kinder im Radsportverein gut aufgehoben sind, die möchte Krieg so überzeugen: "In Bartholomä vermitteln wir die Philosophie: jeder kann, der will." Letzendlich, so Krieg, sei es aber egal, welchen Sport die Jüngsten betreiben, Hauptsache sei, sie würden Sport treiben!

3500 Teilnehmer, 700 000 Kilometer
Die Teilnehmerzahl beim "Alb extrem" ist limitiert auf 3500. Deswegen können es sich die Organisatoren leisten, die Anmeldungszeit im Februar auf rund eine Woche zu begrenzen. Natürlich per Internet _ und wer versucht, doppelt anzumelden damit er auch fahren darf, hat doppelt Pech und wir überhaupt nicht berücksichtigt. Bei der Verteilung der Startplätze wird die eine Hälfte an Einzelfahrer/innen und Paare vergeben, die andere Hälfte an Gruppen.

Die Gruppenwertung erfolgt zum einen nach Gruppengröße, zum anderen nach durchschnittlicher Kilometerleistung. Die "kurze Strecke" _ immerhin 190 Kilometer _ haben 1506 Teilnehmer absolviert, 210 Kilometer haben 1026 Fahrer/innen zurückgelegt, die 250 Kilometer sind 257 Teilnehmer gefahren und die volle Tour _ 280 Kilometer _ haben 264 Radfahrer zurückgelegt.

Insgesamt haben sich von den 3500 Startern 3060 im Ziel zurückgemeldet. Ein schwerer Unfall (Schlüsselbeinbruch) wurde dokumentiert. Den Gruppensieg errang das Team aus Bartholomä mit 96 Teilnehmern vor denSüdschweden aus Osnabrück (68), den Rolling Bones (134), dem TV Birenbach (54) und Extremanita (54). Und das einzige Dopingmittel war nach Auskunft
der Veranstalter "Radler" (Bier und Limonade) sowie Weizen(bier) nach der Tour.

Remszeitung Schwäbisch Gmünd

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