Zeitungsbericht: Neue Württembergische Zeitung Göppingen 26.06.2006
RADMARATHON. 1 Gestrige Alb‑Extrem wurde zur Hitzeschlacht
Letzte Reserven mobilisiert
Flüssigkeitszufuhr äußerst wichtig ‑ Schatten für viele das Ziel
Der Mythos des Ottenbacher Radmarathons lebt von Extremen. Gestern wurde wieder an der Legende gestrickt – es war eine der heißesten Alb-Extrem-Auflagen in mittlerweile 23‑jährigen Historie dieser schweren Radveranstaltung mit Strecken von 190 bis 280 Kilometer.
VON HARALD BETZ
„Ab 11, Uhr war die Hitze heute ja fast unerträglich. Da hätten wir eigentlich an die Starter appellieren müssen, nur die kleinen Strecken in Angriff zu nehmen. Aber das hätte am frühen Morgen ja doch keiner verstanden", dachte Stefan Nußbaumer, Rad‑Abteilungsleiter des MRSC Ottenbach gestern Nachmittag im Ziel laut nach.
Die Schwüle schon um 5.30 Uhr morgens drängte die 3500 Teilnehmer aber verstärkt zum Start, so dass sich schnell eine Schlange bildete. Die Teilnehmer nahmen es gelassen und diskutierten die Fußball‑WM‑Spiele vom Abend zuvor. Sie alle sollten noch früh genug ins Schwitzen geraten. Zunächst blieb aber noch vom Rad aus Zeit, die herrliche Alb‑Landschaft zu genießen. Ein Schwabe kommentierte die Verzücktheit eines Münsterländers auf seine Art: „Gut dass du es sagst, ich bin es ja gewohnt.“ Die kurzfristig in Rechberg eingerichtete Baustelle verschaffte dann nicht nur diesem Duo ein seltenes Erlebnis. Nach 33 Kilometern wurde bereits der rote Teufelslappen, der das Ziel signalisiert, unterquert, da das Feld die Auffahrt zum Schurrenhof ‑ traditionell die Abfahrt ins Ziel ‑ nehmen musste. Es sollten auf alle noch schweißtreibende Kilometer warten.
Ein Radler aus Winnenden fährt dabei die deutsche Fahne spazieren, „aus Anerkennung für die tollen deutschen Fußballer, und bei meinen 90 Kilo kommt es auf die paar Gramm auch nicht an". Am Schurrenhof erwidern fahnenschwingende Kinder die Begeisterung, während alle Radler am Ortseingang von Wißgoldingen den ersten Beifall für Ihre Leistung erhalten. Ab 11 Uhr, viele Radler haben in der letzten Stunde den Verpflegungspunkt Bartholomä passiert, kennt die Sonne kein Erbarmen mehr und knallt auf die Marathon-Teilnehmer bedingungslos herunter. Die Trikots sind bald völlig nass geschwitzt, Salzränder zeichnen die Gesichter und die Flüssigkeitszufuhr wird auf den anspruchsvollen Steigungen immer wichtiger.
Dankbar für eine leichte Brise zeigten sich nun Kerstin und Silvia von der, RSG Steinbeck im Emsland. Drei Jahre kamen sie als Fans der „Südschweden" ins Schwabenland, dann begannen sie selbst mit dem Radeln und fühlten sich in diesem Jahr nach Trainingslager auf Mallorca und im Schwarzwald fit für die Alb‑Extrem Für viele , die seit Jahren sind, gab es in Waldhausen eine Neuerung. Die bisherige Verpflegungsstation wurde zu einem Kontrollpunkt um die Abstände zwischen den Verpflegungsstellen ausgewogener zu gestalten. Erst 20 Kilometer später, beim Gemeinschaftshaus Hofstett-Emerbuch, konnten somit die Depots wieder aufgefüllt werden.
Beim letzten Verpflegungspunkt in Stätten waren dann die Wasserschläuche zur Abkühlung heiß begehrt. Da konnte Ilona aus Quedlinburg im Harz bei ihrer Premiere auch der letzte Aufstieg von Reichenbach zum Birkhof nicht mehr schocken. Trotz der stehenden Hitze wusste sie: „Hier kommt man nie mehr oder immer wieder ‑ ich komme wieder.“
ALB‑EXTREM /3081 Finisher bewältigen, 647 010 Kilometer
Neues Rechensystem sieht alten Sieger vorn
Bis, zum Zielschluss gestern Abend um 19 Uhr hatten sich beim veranstaltenden MRSC Ottenbach 3081 Radsportler (2809 Männer und 272 Frauen) von den vier Strecken der 23. Alb‑Extrem (190/210/250 und 280 Kilometer) zurück gemeldet, die in der Summe 647 010 Kilometer zurück gelegt haben. Nur ein hitzegeschädigter Fahrer musste dabei in die Obhut der Sanitäter.
Auf besonderes Interesse stößt immer wieder die Gruppenwertung, bei der diesmal die Gruppengröße in Relation zu den gefahrenen Kilometern gesetzt wurde, um ein gerechtes Ergebnis zu ermitteln. Dabei tauchten auch beim neuen Wertungsstern bekannte Namen an vorderster Stelle auf. Der Sieg ging an RSF Bartholomä (25 670 Kilometer/120 Finisher) vor dem TV Birenbach (13 560km / 63 Fahrer/innen) und den Südschweden aus dem Emsland (12 820 km / 60 Fahrer/innen). Vierter wurden die Donzdorfer Pedalteufel (31 86km / 154 Fahrer/innen), die Bodo und die Beißer (4010km / 18 Fahrer/innen) auf Rang fünf verwiesen. Die weiteren Platzierungen: 6. Bad Boller Roller (7670/37), 7. WMF Geislingen (6250 /30), 8. Rolling Bones (24 5601120), 9. RSG Mutlangen (4800/23), 10. Team Ellwangen (3030/14).
Neue Württembergische Zeitung Göppingen



