Zeitungsbericht: Gmünder Tagespost 26.06.2006

Mehr als 700 000 Kilometer haben gestern rund 3500 Radler beim Ottenbacher Radmarathon Alb‑Extrem zurückgelegt.

Die Mannschaftswertung gewannen auch in diesem Jahr die Radsportfreunde Bartholomä.

Sonntagmorgen, zwanzig nach fünf in Ottenbach. „Mit rechts angenommen, mit links volley geschossen.“ Thomas Müller von der Mannschaft „TRW, Team Alfdorf", lässt sich noch schnell das 2:1 vom WM‑Spiel Argentinien gegen Mexiko erzählen, bevor es losgeht. Gegen halb zehn war Müller am Abend zuvor im Bett, zu früh um den deutschen Viertelfinalgegner noch zu erleben.

Bald aufstehen ist wichtiger, wenn man mindestens 190 Kilometer radeln will. Um 5.30 Uhr, bei 21 Grad, fällt der Startschuss, ein hundertfaches Klicken der ebenso genannten Pedale setzt ein, und der Biker‑Lindwurm setzt sich in Bewegung. Schon nach 200 Metern gibt's Gelegenheit zum kollektiven Schmunzeln, einen Radler ausgenommen, den nämlich, der den frühesten Platten des Alb-Extrem 2006 hat.

Das Thema Fußball ist nicht ganz so dominant wie beim Alb-Extrem 2002, als nachmittags das Finale Deutschland ‑ Brasilien angepfiffen wurde. Aber für Diskussionsstoff unterwegs ist gesorgt und auch textile Folgen hat die Fußball‑WM, ein Radler trägt ein Trikot mit selbstgebastelter Deutschland‑Flagge auf dem Rücken.

Die ersten vier Stunden bleiben, das Deutschland‑, Alb‑Extrem­ und viele Team­trikots noch halbwegs trocken, die Erwärmung hält sich Grenzen, weil die Sonne hinter Wolken steckt. Trotzdem ist die Schwüle schon unangenehm. „ Wegen mir darf´s gern 10 Grad weniger haben“, nennt ein Radler seine Temperaturwünsche. Wenig Wünsche offen lässt das Radgefühl in den ersten Stunden: wenig Verkehr, in Gmünd werden die roten Ampeln dank der verkehrsregelnden Polizei ignoriert, das einzige Geräusch in den frühen Morgenstunden ist das Surren der Rennräder um einem herum. Die Temperatur‑Differenz von zehn Grad wird gegen Nachmittag Wirklichkeit, allerdings sind´s zehn Grad mehr als am Morgen.

Wenn man, vorsichtig geschätzt, davon ausgeht, dass ein Sportler in der Stunde einen Liter Schweiß verliert (bei Hitze bis zu drei Liter), dann kann man leicht ausrechnen, wie viel Sprudel die 3500 Radler in Schweiß verwandeln.

10 000 Liter Sprudel stehen bereit, dazu nicht gemessene Mengen Wasser aus Wasserhähnen und Gartenschläuchen, die mit Pulver zu Isogetränken gemixt werden. Um die Rechnung zu Ende zu führen: 3500 Radler mit im Schnitt acht Stunden Fahrzeit a einem Liter Schweiß macht 28 000 Liter salzige Körperflüssigkeit. Mindestens. Klar, dass einige zu wenig nachführten. Ein Radler musste mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht werden. Dafür ist sonst kaum etwas passiert: „Wir hatten nur ein paar Stürze, die mit Pflaster und Binde behandelt werden konnten", bilanziert Mitorganisator Thomas Wollny.

Die Mannschaftswertung ging wieder an die Radsportfreunde Bartholomä, obwohl die Radler in ihren blau‑gelben Vereinstrikots gar nicht die meisten Kilometer gefahren waren. Aber im Schnitt die meisten. Wollny. „Wir haben in diesem Jahr den Modus geändert, so, dass auch kleinere Gruppen vorne landen können. Und die Bartholomäer mit vielen Langstrecklern in ihren Reihen konnten davon profitieren."

Gmünder Tagespost

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